{"id":4195,"date":"2012-02-09T13:35:30","date_gmt":"2012-02-09T12:35:30","guid":{"rendered":"http:\/\/bilderbox.arne-richter.de\/blog\/?page_id=4195"},"modified":"2012-05-28T22:08:56","modified_gmt":"2012-05-28T21:08:56","slug":"ebm-cargo","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bilderbox.arne-richter.de\/blog\/zugprojekte\/ebm-cargo","title":{"rendered":"EBM Cargo"},"content":{"rendered":"<p><em>In K\u00fcrze: Im Juni bzw. August 2004 mussten die EBM Cargo GmbH &amp; Co. KG bzw. deren Keimzelle EBM Eisenbahn-Verkehrs-Gesellschaft im Bergisch-M\u00e4rkischen Raum mbH Insolvenz anmelden. Hohe Forderungen v.a. seitens DB Netz und DB Energie hatten die beiden Gesellschaften in die Knie gezwungen. Die beiden Gesellschaften k\u00f6nnen durchaus aus Wegbereiter der Bahnreform bezeichnet werden. Die EBM Cargo war zudem Mitbegr\u00fcnder des ersten Netzwerkes f\u00fcr Einzelwagen- und Wagengruppen au\u00dferhalb der Staatsbahnen. Erst 2011 konnten die Insolvenzverfahren abgeschlossen werden. 2010 fand sich ein Teil der damals Beteiligten wieder zusammen und gr\u00fcndeten eine &#8222;neue&#8220; EBM Cargo.<\/em><\/p>\n<p>Mit der Stellung des Insolvenzantrages beim zust\u00e4ndigen Amtsgericht K\u00f6ln am 04.06.2004 verlie\u00df mit der EBM Cargo GmbH &amp; Co. KG \u00fcberraschenderweise eine damals durch Brancheninsider als \u201esolide\u201c eingesch\u00e4tzte mittelst\u00e4ndische Privatbahn das Parkett. Gerade die doppelte Abst\u00fctzung auf die beiden Standbeine \u201eSchieneng\u00fcterverkehr\u201c und \u201eBauzugverkehr\u201c schienen eine recht gute Krisenstandhaftigkeit zu gew\u00e4hrleisten. Im Fr\u00fchjahr diesen Jahres geriet die Gesellschaft aber immer tiefer in finanzielle N\u00f6te, v.a. als DB Netz und DB Energie als die gr\u00f6\u00dften Gl\u00e4ubiger des Unternehmens im Bereich des Forderungsmanagements auf einen h\u00e4rteren Kurs einschwenkten. Gleichzeitig \u00fcberschritten Unternehmen des DB-Konzerns als gr\u00f6\u00dfter Auftraggeber im Bauzuggesch\u00e4ft nach Aussage eines EBM Cargo-Mitarbeiters vielfach Zahlungsfristen. Zum vorl\u00e4ufigen Insolvenzverwalter wurde am 08.06.2004 Dr. Andreas Ringstmeier der K\u00f6lner Kanzlei Dr. Ringstmeier &amp; Kollegen berufen.<\/p>\n<p>Am 16.08.2004 erfolgte die Er\u00f6ffnung des Insolvenzverfahrens (74 IN 180\/04) \u00fcber das Verm\u00f6gen der im Handelsregister des Amtsgerichts K\u00f6ln unter HRA 20034 eingetragenen EBM Cargo GmbH &amp; Co. KG, vertreten durch die pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin, die im Handelsregister des Amtsgerichts K\u00f6ln unter HRB 45438 eingetragene EBM Cargo Verwaltungs GmbH, vertreten durch die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bernd Kerstein, Wiehl, und Frank Zelinski, K\u00f6ln. Am 26.08.2004 ging beim zust\u00e4ndigen Amtsgericht jedoch die Anzeige des Insolvenzverwalters ein, dass Masseunzul\u00e4nglichkeit vorl\u00e4ge (\u00a7\u00a7 208 bis 210 InsO). Die Gesellschaft wurde am 02.09.2004 durch Er\u00f6ffnung des Insolvenzverfahrens \u00fcber ihr Verm\u00f6gen aufgel\u00f6st.<\/p>\n<table border=\"1\" cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Exkurs: Masseunzul\u00e4nglichkeit liegt vor, wenn sich im Laufe des Insolvenzverfahrens herausstellt, dass nur die Verfahrenskosten gem. \u00a7 54 aus der Insolvenzmasse gedeckt werden k\u00f6nnen, nicht aber die Masseschulden nach \u00a7 55. Welche Forderungen als Masseschulden einzustufen sind, ergibt sich aus dem Gesetz. Dazu geh\u00f6ren die Kosten f\u00fcr die Verwaltung, Verwertung und Verteilung der Insolvenzmasse sowie die Verbindlichkeiten aus gegenseitigen Vertr\u00e4gen (Arbeitsvertr\u00e4ge, Mietvertr\u00e4ge, Pachtvertr\u00e4ge etc.), die zu Lasten der Masse erf\u00fcllt werden m\u00fcssen, aber auch Anspr\u00fcche aus einem Sozialplan (\u00a7 123 Abs.2). Die Masseunzul\u00e4nglichkeit ist vom Insolvenzverwalter dem Insolvenzgericht anzuzeigen. Sie wird anschlie\u00dfend \u00f6ffentlich bekannt gemacht. Das Verfahren selbst wird fortgef\u00fchrt. Jedoch d\u00fcrfen Massegl\u00e4ubiger wegen einer Masseverbindlichkeit nicht mehr in die Insolvenzmasse vollstrecken (\u00a7 210). Die Befriedigung der Massegl\u00e4ubiger erfolgt in der gesetzlich vorgegebenen Rangfolge des \u00a7 209.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>EBM Cargo &#8211; wer war das?<\/strong><\/p>\n<p>Zum 01.10.2002 hatte die in Gr\u00fcndung befindliche EBM Cargo alle bisher unter der Flagge der Eisenbahn-Verkehrs-Gesellschaft mbH im Bergisch-M\u00e4rkischen Raum (EBM) durchgef\u00fchrten Verkehre \u00fcbernommen. Die EBM Cargo entstand zum 12.12.2002 durch die Umwandlung der im Februar 2002 gegr\u00fcndeten Zugkraft GmbH &amp; Co. KG. Gleichzeitig wurde der Sitz der GmbH &amp; Co. KG sowie der Verwaltungs GmbH von Kottenheim nach Gummersbach verlegt. B\u00fcror\u00e4ume unterhielt die EBM Cargo jedoch ab 01.04.2003 in Overath. Neben der Durchf\u00fchrung von G\u00fcterverkehren war die EBM Cargo auch im Bereich der Bauzugdienste t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Als pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin war zum 28.11.2002 die EBM Cargo Verwaltungs GmbH durch Umwandlung der Zugkraft Eisenbahnverkehrs Verwaltungs GmbH entstanden. Gesellschafter der Verwaltungs GmbH waren zu gleichen Teilen Werner Kallfelz, Bernd Kerstein, Karl Stuch und Frank Zelinski. Kurz vor dem Insolvenzantrag waren per Notartermin am 24.05.2004 die Gesellschafteranteile von Kallfelz und Stuch an die S\u00fclztal Verm\u00f6gensverwaltungs-GmbH \u00fcbertragen worden. Diese Gesellschaft ist dem \u201eDunstkreis\u201c des EBM-Gesellschafters Hermann Haeck zuzurechnen, der im K\u00f6lner Raum zahlreiche Immobilien mit zahlreichen Gesellschaften verwaltet.<\/p>\n<p><strong>Was kam nach der Insolvenz?<\/strong><\/p>\n<p>Die Verkehre der EBM Cargo wurden in der Eifel (Kooperationsverkehre mit der damaligen Railion um Euskirchen) am 08.06.2004 wieder durch die damalige Railion Deutschland AG \u00fcbernommen, nachdem die Vulkan-Eifel-Bahn Betriebsgesellschaft zun\u00e4chst am 07.06. die Leistungen als Subunternehmer von Railion erbracht hatte. Die f\u00fcr die rail4chem Eisenbahnverkehrsgesellschaft mbH erbrachten Verkehre zwischen Duisburg-Rheinhausen und Rehden \u00fcbernahm rail4chem vorerst wieder in Eigenregie. Alle weiteren Verkehre wurden zun\u00e4chst vom Partnerunternehmen EBM weitergef\u00fchrt. Die Dieselloks der EBM Cargo wurden Anfang September zur weiteren Verwertung abgefahren.<\/p>\n<p>Die Loks der EBM Cargo fanden schnell Abnehmer. U.a. bedienten sich die Wettbewerber TLG (mittlerweile ebenfalls nach Insolvenz erloschen) und MWB. Die Personale wanderten gr\u00f6\u00dftenteils zu MWB und NbE ab, die &#8222;Werkstattabteilung&#8220; um Tino Wolf fand in Aschaffenburg eine neue Heimat und firmiert dort als Lokservice24.de GmbH als gemeinsame Tochter von MWB und NbE. Unterhielt die MWB zun\u00e4chst noch eine Niederlassung in Siegburg mit Frank Zelinski, Wolfgang Moll &amp; Co. wurde diese jedoch aufgel\u00f6st, nachdem sich herausstellte, dass sich ein Teil der Beteiligten dort den Aufbau einer eigenen Firma beabsichtigten. Bernd Kerstein gr\u00fcndete zusammen mit Thomas Runow (u.a. <a href=\"http:\/\/www.eisenbahn-technischebildung.de\/\" target=\"_blank\">ETB Eisenbahn-Technische Bildung GmbH<\/a>) den Personaldienstleister 2K Lokdienste GmbH, der einen Teil der EBM-Personale aufnahm. Frank Zelinski war u.a. bei der HWB und RT&amp;L t\u00e4tig, ehe er sich Ende 2009 wieder mit Kerstein zusammenfand und die beiden wieder eine gemeinsame Firma gr\u00fcndeten (siehe unten).<\/p>\n<p><strong>Auch die EBM muss aufgeben<\/strong><\/p>\n<p>Wenige Wochen nach der Insolvenz des Partnerunternehmens EBM Cargo musste auch die EBM Eisenbahn-Verkehrs-Gesellschaft im Bergisch-M\u00e4rkischen Raum mbH, Gummersbach, am 20.08.2004 Insolvenz beantragen. Zum vorl\u00e4ufigen Insolvenzverwalter im Verfahren 74 IN 302\/04 wurde am 31.08.2004 Rechtsanwalt Dr. Henning Dohrmann aus Gummersbach bestellt.<\/p>\n<p>Das 1995 als Eisenbahnverkehrsunternehmen f\u00fcr das Eisenbahnmuseum Dieringhausen gegr\u00fcndete Unternehmen befand sich im Besitz der Eisenbahnmuseum Dieringhausen gGmbH (55%) und Hermann Haeck (45%).<\/p>\n<p>Nach der Insolvenz der EBM Cargo hatte die EBM zun\u00e4chst einige G\u00fcterverkehrsleistungen der EBM Cargo \u00fcbernommen. Im Laufe des August konnten diese in die Zust\u00e4ndigkeit der Mittelweserbahn GmbH (MWB) sowie der Rurtalbahn GmbH (RTB) \u00fcberf\u00fchrt werden, so dass der EBM nur noch \u00fcbergangsweise die G\u00fcterverkehre auf der \u201eTalbahn\u201c verblieben.<\/p>\n<p>Bei Insolvenzantrag befanden sich insgesamt vier Lokomotiven im Bestand der EBM. Neben der an die Lappwaldbahn GmbH vermieteten 202 487-5 handelte es sich dabei um 228 742-3 die an die NbE vermietete 346 970-7 sowie 105 971.<\/p>\n<p><strong>Geschichte der EBM<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>1996: nur ehrenamtliche Mitarbeiter, keine eigenen Loks, Erteilung der EVU-Konzession 30.04.96, historische Sonderzuggestellung<\/li>\n<li>1997: nur ehrenamtliche Mitarbeiter, keine eigenen Loks, historische Sonderzuggestellung<\/li>\n<li>1998: 2 Lokf\u00fchrer, 4 geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte, 2 Lokomotiven (V60, V200), Gestellung von Bauzuglokomotiven, \u00dcberf\u00fchrung von Schienenfahrzeugen<\/li>\n<li>1999: 5 Lokf\u00fchrer, 2 Gesch\u00e4ftsleitung, 8 geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte, 0,5 B\u00fcrokr\u00e4fte, 6 Lokomotiven (4 x V200, 1 x V60), Gestellung von Bauzuglokomotiven mit Personal, \u00dcberf\u00fchrungsfahrten, \u00dcbernahme Strecke Hagen-Haspe \u2013 Ennepetal-Altenv\u00f6rde<\/li>\n<li>2000: 10 Lokf\u00fchrer, 2 Gesch\u00e4ftsleitung, 3 Betriebsarbeiter, 8 geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte, 0,5 B\u00fcrokr\u00e4fte, 8 Lokomotiven (3 x V200, 3 x V100, 2 x V60), Bauzuggesch\u00e4ft, Cargo-Verkehre, \u00dcberf\u00fchrungsfahrten, Erbringung G\u00fcterverkehr auf der Talbahn in Kooperation mit der DB Cargo<\/li>\n<li>2001: 17 Lokf\u00fchrer, 2 Gesch\u00e4ftsleitung, 4 Betriebsmitarbeiter, 5 geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte, 3 B\u00fcrokr\u00e4fte, 13 Lokomotiven (2 x V200, 6 x V100, 4 x V60, 1 x V180), Bauzuggesch\u00e4ft, Cargo Verkehre, \u00dcberf\u00fchrungsfahrten, \u00dcbernahme Infrastruktur Gerolstein &#8211; Kaisersesch, Wochenend-SPNV auf der Eifelquerbahn im Auftrag des Zweckverbandes Rheinland Pfalz Nord<\/li>\n<li>2002: Anschaffung 4 weiterer Lokomotiven (BR 203), Einstellung weiterer Lok- und Rangierf\u00fchrer, Erbringung G\u00fcterverkehrsleistungen im Raum Eifel und Remscheid im Rahmen MORA C<\/li>\n<li>Im Juli 2002 wurde die Infrastruktur der Eifelquerbahn an die Vulkan-Eifel-Bahn Betriebsgesellschaft mbH \u00fcbertragen, im Oktober wurde der EBM-Schieneng\u00fcterverkehr sowie die Loks der BR 203 durch die EBM Cargo \u00fcbernommen. Der EBM verblieben neben der EVU-Funktion f\u00fcr das Dieringh\u00e4user Museum nur noch die EIU-T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Talbahn sowie einige wenige Lokomotiven.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die &#8222;neue&#8220; EBM Cargo<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem Gesellschaftsvertrag vom 29.01.2010 wurde die Eisenbahnbetriebsgesellschaft Mittelrhein mbH (EBM Cargo) mit Sitz in Gummersbach gegr\u00fcndet. Interessanterweise \u00fcbernahm man von der &#8222;alten&#8220; EBM Cargo neben dem Namensbestandteil auch das Logo. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ist Thomas Kaiser (26), ebenfalls bei BSM GmbH in Mannheim f\u00fcr Vertrieb und Disposition zust\u00e4ndig und Vorstand eines Museumsbahnvereines. Neben Kaiser (33,33 %) halten auch Bernd Kerstein (33,33 %) und Frank Zelinski (33,33 %) Gesellschafteranteile am Unternehmen. Die beiden Letztgenannten waren bereits bei der &#8222;alten&#8220; EBM Cargo als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer t\u00e4tig. Seit Februar 2011 besitzt das Unternehmen eine Niederlassung West nahe des K\u00f6lner Hauptbahnhofes. Mit Stand Dezember 2011 verf\u00fcgte das Unternehmen \u00fcber zwei V 100 und eine V 160 und verdingte sich im bundesweiten Bauzugverkehr. Interessanterweise war die ehemalige 202 330 einige Jahre bereits bei der Vorg\u00e4ngergesellschaft im Einsatz gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In K\u00fcrze: Im Juni bzw. August 2004 mussten die EBM Cargo GmbH &amp; Co. KG bzw. deren Keimzelle EBM Eisenbahn-Verkehrs-Gesellschaft im Bergisch-M\u00e4rkischen Raum mbH Insolvenz anmelden. Hohe Forderungen v.a. seitens DB Netz und DB Energie hatten die beiden Gesellschaften in die Knie gezwungen. Die beiden Gesellschaften k\u00f6nnen durchaus aus Wegbereiter der Bahnreform bezeichnet werden. 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