Technik, die begeistert…
Aus aktuellem Anlass mal wieder ne Fremdbox, wieder mal vom MiBaOne… Er schreibt mir dazu:
„Technik, die begeistert…
..mich jedenfalls.
Auch wenn man zum Erleben des Ganzen um 3:50 aufstehen muss.
Hier eine kurze Chronik dieses 03.04.2007.
Nachdem ich mich mit meinem Navi bei einer ungewollten Tour durch Köln-Bonner Vororte doch noch angefreundet habe, bin ich ohne weitere Zwischenfälle an der Rennstrecke in der tiefsten französischen Provinz angekommen.
Der präzisen email-Beschreibung eines sehr netten Franzosen folgend fand ich eine Brücke bei dem ziemlich verschlafenen Kaff Briseaux in der Argonne. Dort standen zum Zeitpunkt meiner Ankunft mehr Gendarmen als Zuschauer – was sich allerdings bis Mittags drastisch änderte.
9:34 Uhr
Direkt nach dem Aussteigen, kaum an die Kälte gewöhnt und die Kamera noch nicht ausgepackt, bricht Hektik aus: TGV 4402 fährt zum Startpunkt. Ich stehe zwar auf der lichttechnisch falschen Seite, aber besser als nix.
Mitten auf der Brücke eine ausgewachsene Filmkamera – und zwar die, die nachher die Rekordfahrt bei km 198 frontal filmte. Für die SNCF. Also so falsch konnte der Standort nicht sein.
10:30 Uhr
Nach einer Stunde stummen rumstehens – ich habe alle meine Französisch-Kenntnisse verdrängt, wer ahnt denn, dass man sowas mal braucht – und frierens habe ich dann tatsächlich noch zwei Deutsche gefunden. Aus Augsburg. Noch weiter weg als ich. Wie verrückt muss man eigentlich sein,…
Aber da waren auch Franzosen aus Toulouse, noch 200 km weiter weg, die sind nur nicht so aufgefallen.
11:48 Uhr
Der Vorzug kommt angeschlichen. Mit vielleicht 330 km/h. Ab Juli hier Alltag, aber auf dem anderen Gleis. Auffällig die höhergelegten Triebköpfe. Durch die größeren Räder läßt sich der Zug problemlos mit dem v150 kuppeln. Der hat nämlich auch größere Räder bekommen, da die Drehzahl der Motoren begrenzt ist.
12:00 Uhr
Langsam steigt die Nervosität, Berechnungen über die mögliche Anzahl an Fotos des Zuges zwischen zwei Masten machen die Runde. Mit nur einem Ergebnis:
Ein Versuch – ein Schuss – ein Bild.
Ungeahnte Herausforderungen.
Gegen 13 Uhr dann die ersten Unterhaltungen über die Funkgeräte der zahlreichen Kameraleute, Security-Mitarbeiter und Gendarmen.
13:05 Uhr
Ein beide Sprachen verstehender Student übersetzt: unterwegs, 515, 530, 560.
13:12 Uhr
Der begleitende Düsenflieger taucht am Horizont auf.
Der Zug auch.
5 Sekunden Hektik.
Mit einem Knall und in einer Staubwolke verschwindet v150 unter der Brücke.
Das Rumdrehen dauert länger als der Zug braucht, um über die Kuppe in einer Staubwolke zu verschwinden. Und die Staubwolke sieht man länger als den Zug.
Der schnellste Zug, den ich jemals fotografiert habe.
Über 25.000 PS an 31 kV,
268 Tonnen, über 100m lang,
12 von 16 Achsen angetrieben,
569,4 km/h (an der Fotostelle)
das sind 158 Meter in der Sekunde!
TopSpeed wenige hundert Meter weiter wird 574,8 km/h sein.
Die japanische Magnetbahn kommt noch ein paar Zentimeter weiter innerhalb einer Sekunde. Aber die hat auch keine Räder.
Bremsweg des v150 anschließend: 15 km.
Die Brücke bleibt noch fast 15 Minuten gesperrt.
Und dann gehts wieder nach Hause, nach Siegen, wo im Schuppen eine Dampflok steht, die am vergangenen Samstag das erste Mal nach 30 Monaten wieder angeheizt wurde.
Gegensätzlicher kann es gar nicht sein.

Geil. Einfach nur geil.