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Rumänien 2026 – Wenig Betrieb, große Beute

Der Tag beginnt mit einer Stunde Arbeit am Computer. Ich starte dann bei bestem Sonntagswetter und bin ein bißchen nervös. Heute soll es endlich zu den Kohlebahnen gehen. So oft auf google maps angeschaut, bin sehr gespannt. Die Anreise ist knapp 90 km auf der Landstraße, also gut anderthalb Stunden in die Pampa.

Während der Fahrt komme ich an zahlreichen Festen vorbei – der massive Auflauf sorgt mehrfach für komplettes Verkehrschaos. Was das für ein Fest ist weiß ich da noch nicht (warten wir auf Montag ;-) Zwischenzeitlich setzt Regen ein und ich hoffe auf die prognostizierte Knallersonne ab 11 Uhr.

Irgendwann bin ich dann in Motru, dem Dreh- und Angelpunkt der Braunkohleverkehre. Ich fahre zuerst mal zu den Ladepunkten und hoffe auf Züge. Mh, in Lupoaia ist schon mal nichts. Auf einem BÜ fällt mir auf: Gleise länger nicht mehr benutzt. AU WEI! Panik macht sich breit! Im Hotel kann ich abends herausfinden – wir erinneren uns: tagsüber kein mobiles Internet verfügbar – dass der Tagebau Ende März eingestellt wurde. Grmph

Dann weiter in das nicht allzu entfernte Rosiuta. Ebenfalls niks los. HÄ? Was das????

Okay, da hilft es nur zum Übergabebahnhof in Motru zu fahren. Dort empfängt mich eine kläffende Hundemeute. Dazu muss ich sagen dass bei den beiden Touren letztes Jahr sehr viel weniger wilde Hunde gesichtet werden konnten. Hier in der Gegend scheint es noch so zu sein wie früher. :-(

Zurück zu Bahn: Niks los im Bahnhof, also weiter zum Werksbahnhof der CEO. Früher sicher bewacht steht das Eingangstor offen – also dumm gestellt und durch. Ich komme am Bw vorbei, das prall gefüllt ist. Ich umkreise es zunächst knipsend vorsichtig ehe ich mich auf das Gelände wage. Es ist – natürlich – ein Wachmann dort. Aber bis der mich bemerkt sind alle Loks schon geknipst. Ha!

Okay, also kein Betrieb heute, das ist ja mistikowski. Die Polen hatten im Frühjahr auch Sonntags Beute – behaupteten sie….

Knapp 20 km weiter ist der Tagebau Jil?. Die Fahrt dorthin geht über eine abenteuerliche Straße und durch seeeeeeeeeeehr ländliches Gebiet. Überall sieht man einzelne Kühe oder Pferde angebunden – die riesigen Gärten lassen auf Selbstversorgertum schließen. Toll. Ich lege einige Halte ein und mache Fotos. Schön zu sehen, dass der Sonntag hier genutzt wird, um im Dorf umherzugehen und sich für einen Plausch auf das eine oder andere Bänkchen zu setzen.

Insgesamt auch krass, wie viele kleinen Minen es dort gibt, in denen mit handelsüblichen Baggern Kohle im Tagebau abgebaut wird.

Am Ladepunkt Jilt Sud (wie ich später erfahre: Auch seit März dicht) ist nichts los, also Erinnerungsfoto und weiter zum Werkbahnhof Matasari mit Bw. Dort auch full house (also kein Betrieb – grrrrrrr), aber die Lokfotosammlung wächst, nachdem der dortige Wachmann sein okay gegeben hat. Die weitere Fahrt geht zum CFR-Übergabebahnhiof Dragotesti, der zwar ein riesiges Gebäude hat, sich aber ebenfalls leer präsentiert.

Weiter dann noch mal knapp 30 km zum versorgten Kraftwerk in Tuceni. Mittlerweile hat es rund 30 Grad und ich bin ganz gut am ölen… Besichtigung des Bahnhofes mit zahlreichen abgestellten Waggons und ein paar E-Loks der CFR Marfa. Im ehemaligen, nur über eine löchrige Schotterpiste zu erreichenden Bw hat sich DB Cargo eingenistet und über den Zaun können einige Loks gelichtet werden.

Zwischenzeitlich hat sich dank nahendem Gewitter ein übler Wind breit gemacht, der die ganze Region in Kohlestaub hüllt. Bin ja gespannt, wann das Unwetter loszottelt (tut es nicht). Jedefalls gibt es ein paar spektakuläre Fotos vom Kraftwerk. Als klar ist dass es trocken bleibt mache ich zu Fuß gen Kraftwerk, wo bei einem Seiteneingang laut Google Maps Loks stehen sollten. Aha, tun sie auch. Durch den Zaun gibt es ein paar Fotos. Als ich mich durch das offene Personaltor sneaken will schlägt leider ein Hund an und für mich ist dann Dank „Wachmuddi“ game over. Keine Verhandlung möglich :-/

An einem südlich des Werkes gelegenen Haltepunkt (mit Bahnsteigen aus alten Betonschwellen) möchte ich dann ein paar Züge abwarten. SPNV verdödele ich just als ich im Bahnhof bei der Cheffin wegen Zügen fragen will. Verständigung klappt leider nicht so. Ich glaube sie versteht nicht dass es mir um Güterzüge geht. Naja.

Am Hp muss ich nicht lange warten bis der erste Zug kommt. Wolkenschaden UND ein Typ mit Warnweste braust heran und beobachtet den Zug (Karre im Bild) – wohl eine Art parallel fahrender Wachmann – ächz. Fast zu spät bemerke ich die Schiebelok, die dann noch einen hingeorgelten Nachschuss ermöglicht. Auch der kurz darauf folgende Zug – ebenfalls nach Norden – Wolkenschaden. Dann folgt auch noch DB Cargo nach Norden, die ich mangels Schieber bei abziehenden Wolken Dank Halt im Bf überholt und nice abgelichtet bekomme.

Ich schaue mich motivlich noch was um, ohne dass weitere Züge gesichtet werden können. Danach geht es zurück, um in Matasari die Loks alle noch von der anderen Seite zu lichten und anschließend über die Rüttel- und Buckelpiste samt nun Bienen beheimatandem Lkw ex Jungendverkehrsschule Hessen zurück nach Motru. Da ist witzigerweise beim Bw auch ein LTE Spot, der mir eine Hotelbuchung für zwei Nächte ermöglicht. Loks im Bw Motru sowie CEO- und CFR-Bahnhof (inklusive Leckerlis für die Wuffs) werden dann auch noch mal gelichtet und es geht noch mal gen Rosiuta. Der ganze Tagebau ist übrigens null eingezäunt. Könnte man theretisch rein, aber es dürften sich da etliche Wachmänner rumtreiben. Polizei am Sonntag brauch ich nicht unbedingt…

In der Nähe des dortigen Eingangstores sehe ich eine ganze Meute mit rund 20 Feuerwehrfahrzeugen, die mein Interesse auf sich ziehen. Drei ölverschmierte Monteure in Badelatschen (Öl, Füße, Braunkohlestaub, Ihr dürft es Euch vorstellen) sind vor Ort und schrauben. Die können natürlich gar nicht fassen, dass ich extra und so… Am 31. August sei nämlich Schluss und so. Oha, DA hab ich ja Glück! Stolz bekomme ich (der „Hamburgo“ – einer der Drei hat Verwandschaft in „Frankoforto“) die Fahrzeuge gezeigt, die Dank Allrad und großer Kabine im Tagebau als Mannschaftstransporter ihr Gnadenbrot verdienen. Ich muss mich natürlich auch reinsetzen und Hupen etc. Aus dem kurzen driverby wird dann eine gute Stunde, wobei google translate eine Kommunikation ermöglicht. Toll! Ich erfahre viel über die Geschichte der Männer, ihre Familien (wir zeigen uns gegenseitig Bilder) und ihre Ängste vor der Arbeitslosigkeit. Rund 5.000 Mann werden fernab jeglicher Industrie ja dieses Jahr den Job verlieren – ohne Aussicht auf Bürgergeld oder sonstige westeuropäische Luxusgüter. Ich soll vor dem Ende im August noch mal kommen. Jooo, mal schauen…

Generell waren die Begegnungen mit Menschen bei dieser Reise wirklich mein Höhepunkt. Bis auf wenige Ausnahmen alle super freundlich, hilfsbereit und bodenständig…

Ich habe mich in einem Motel (Motel Azur in Pieptani, 400 RON für zwei Nächte) eingebucht. Das liegt witzigerweise an einer Tankstelle, hat aber gute schallisolierte Fenster. Auf dem Balkon gönne ich mir das im Lidl Motru geschossene Abendbrot, freue mich über die Begegnungen sowie die vielen Lokfotos und wundere mich noch, dass im Partysaal des Motels an einem Sonntag so lange Rambazamba ist. Ob die morgen nicht alle raus müssen?

  1. 18. Juni 2026, 07:38 | #1

    Interessante Luftbilder.
    Ist es normal das die Bilder nur in einer kleinen Vorschau angezeigt werden und jedes Bild einzeln angeklickt werden muß um es größer zu sehen ?

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