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Ein neues Land bereisen…

Wie was wo? Jahaaaaa, schon lange stand Bulgarien auf der Wunschliste. Nachdem sich zunächst kein Mitfahrer fand – alleine wollt ich das nicht angehen – ergab sich die Möglichkeit mit Ingo. Über den sehr rührigen Osteuropa-Pressesprecher der DB Schenker Rail konnte schon vor dem Islandurlaub alles Notwendige geklärt und nachfolgend die Flüge festgezurrt werden. Neben einem Besuch der DB in Pirdop sollten ein Tag an der Strecke, zwei Tage Rhodopenbahn und ein Tag rund um Sofia drin sein. Vorplanung war nicht groß möglich wegen Island etc., also sollte das vor Ort alles recht spontan ablaufen. Zu Alledem kommen für mich kurzfristig noch zehn Extraseiten anlässlich der Innotrans dazu, werden also kurze Nächte…

Tja, und nun ist es so weit. Angesichts der nur alle zwei Stunden möglichen schnellen Verbindungen nach Berlin nehme ich sicherheitshalber dann doch den Zug um 6:30 Uhr, fahre spontan bis Südkreuz und dann den Ring linksherum rauf Richtung Flughafen und weiter. Höhe Westhafen meldet sich Ingo, der schon fast am TXL ist. Also kehrt machen und ab in den Bus. Touchdown 11 Uhr – wunderbar!

Wir checken am Automaten ein, was eine gute Idee war angesichts der später entdeckten Schlangen außerhalb der baggage drop off-Linie. Der ganze Flughafen macht einen recht gestückelten und übergangsweisen Eindruck. Vor dem Sicherheitscheck wird noch etwas gemümmelt, freie Sitzgelegenheiten sind aber Mangelware – grrrrrrrrrr. Sicherheitscheck und Boarding in einem außerhalb errichteten Zeltdingens. Au weio.


Ja, und dann geht es los. Flug ist recht ruhig, auf einer Karte kann man auf den Monitoren schön verfolgen, wo wir gerade sind. Neben uns beiden sitzt noch eine Dame in der Reihe, die Ingo gleich für eine Bulgarin hält und anquakt. Leider eine Enttäuschung, sie kommt nicht aus dem Zielland.


Pünktliche Landung – die großen Fenster des Flughafengebäudes ermöglichen ein Foto unserer Maschine. Wetter leider wie erwartet Kacke :-(

Und überall kyrillische Schrift – au weio, das wird was werden. Ingo kann aus Schulzeiten noch russisch und das hilft uns oftmals weiter.

Wagen haben wir bei „Enterprise“ bestellt, aber ein gleichnamiges Raumschiff bekommen wir leider nicht. In dem extrem kleinen „Rent a car“-Parkplatz türmen sich zahlreiche Fahrzeuge – für uns ist ein Suzuki SX gedacht (km Stand 108.499 km). Kurzer Rundumcheck, Erklärung der Funktionsweise des Autos (so eine Kiste, wo man den Zündschlüssel gar nicht mehr einstecken muss) und los…


Achneee, geht ja gar nicht. Sind zugeparkt. Das Wetter verschlechtert sich zunehmend, ein fettes Unwetter mit krassen Blitzen ist im Anmarsch. Da haben wir mit der Landung echt Megaglück gehabt!


Nächste Hürde: Die Vorgänger haben die Karre mit extrem leerem Tank abgegeben. Ingos Navi findet eine Tanke nicht weit ab. Rund 49,5 Liter pumpen wir in den 50 Liter-Tank. Das nenne ich mal knapp!

Wir machen uns stadtauswärts Richtung Pirdop, wo wir ein Hotel gebucht haben und ja morgen der erste Großtermin steigen soll. Ich biege  natürlich erst mal falsch ab, Ingos Navi kennt die neue Straße noch nicht und erst nach einigem Quergeorgel sind wir wieder auf der richtigen Straße. Zwischendurch geht ein fetter Schutt auf uns nieder – hoffentlich ist das nicht die ganze Woche so :-/

Ingo hat dankenswerterweise ein Kursbuch besorgt, dass eine Fotomöglichkeit kurz vor dem heutigen Ziel offenbart. In Chelopech sehen wir nette Fördertürme, also ab.


Es ist schon megadunkel, es nieselt leicht, aber ein Bildchen vom Auto ist drin.


Leider kommt kein Zug – keiner der beiden laut Tabelle. Mhhhhhhhhhhhhhhh! Die nächsten Tage sollte wir noch einige Male lernen, das das mitgebrachte Kursbuch nur bedingt brauchbar sein sollte.

Die Mine im Hintergrund produziert übrigens Kupfer und Gold (Quelle):

The Chelopech Mine is located in central-western Bulgaria approximately 70 kilometres east of Sofia, the national capital, on the southern flank of the Balkan Ranges. The deposit lies in the northern part of the Panagyurishte mining district where a number of copper-bearing massive sulphide and porphyry copper deposits exist.  The Mining License covers an area of 266 hectares and includes the area of the Chelopech mining operation and the immediate surrounds.  The Company owns the land upon which the facilities are constructed and operates under a concession agreement that was granted by the Republic of Bulgaria in 1999 for a period of 30 years.

Access to the Chelopech Mine is via major roads from Sofia.  The principal rail and road links between Sofia and the country’s largest port, Bourgas, which is located on the Black Sea, pass through the village of Chelopech and the Chelopech Mine site.  Chelopech has good infrastructure due to its proximity to major roads, power lines, communication facilities, water sources and the town of Pirdop.

History

Since the mine started in 1954, it has produced approximately 19.7 million tonnes of ore at just over 1.2% copper. Production as a state-owned company reached 100,000 tonnes per annum in 1971. It quadrupled in 1976 following an expansion program and the construction of a new concentrator, peaking at 512,000 tonnes per annum in 1988 before trailing off rapidly between 1990 and 1992.

Prior to 1990, the Pirdop smelter, located seven kilometres east of Chelopech, accepted the sulphide-rich concentrates from Chelopech and blended them with cupriferous concentrates from the nearby Elatsite Med and Assarel Medet mines. The relatively high content of arsenic in the Chelopech copper concentrates led to the Bulgarian Government decreeing on April 1, 1990 that Chelopech concentrate could no longer be treated at the Pirdop smelter. In February 1992, the mine was placed on care and maintenance and in 1993, Navan gained ownership and committed to the reopening of the mine.

Operations were restarted and continued with concentrate sale to smelters around the world. In 1999, the privatization agreement with the Bulgarian government was completed. Navan operated the Chelopech Mine until late 2002, when it went into bankruptcy. Mining operations continued during 2002 and 2003.

On September 30, 2003, DPM, through certain of its wholly-owned subsidiaries, completed the purchase of the Bulgarian mining assets from Navan and Deutsche Bank AG of London which included the Chelopech Mine.

Aha, ich schlußfolgere daraus, dass das Kupferwerk in Pirdop heute die Rohstoffe gar nicht mehr aus dem benachbarten Chelopech bezieht, sondern aus der ganzen Welt und dann über den Hafen Burgas sowie die Bahn. Chelopech-Kuperkonzentrat wird hingegen in Namibia verarbeitet. Krank! Beide Bahnabschnitte in Bulgarien fährt übrigens die DB :-)

Egal, wir machen uns weiter gen Hotel. Die Adresse kennt Ingos Navi blöderweise nicht, also werde ich mein iPad an und investiere $$$ wegen Auslands-Internet. Gegen 20 Uhr haben wir das SPA Hotel Borova Gora (Slogan: „The First Hotel-Butique“ *pruuuuuuust*) endlich erreicht, das auf einem Hügel liegt. Die Fahrt dorthin ist abenteuerlich und führt über ziemlich rottige Wege und eine Serpentinenstraße. Ziemlich viele dicke Karren vor der Hütte – die gehören aber zum Treffen des örtlichen Rotary-Clubs, wie wir später merken.

Das ganze Hotel riecht wie die 1980er Jahre und sieht auch so aus. Ostblockcharme. Die ausliegende Broschüre verrät mehr über die Geschichte: Das ganze Dingen samt Pool, Tennisplätzen etc. gehörte früher zum staatlichen Kupferbergwerk, das ja Ende der 1990er Jahre privatisiert wurde. Der neue Eigentümer übernahm den Wellnesshotelprotzkomplex allerdings nicht, es folgten ein paar Jahre des Leerstandes sowie eine Renovierung unter neuer, privater Eigentümerschaft. Also ein Haus mit Geschichte, wo früher die Staatsfunktionäre sicher opulente Parties gefeiert haben. Heute verirren sich bestimmt nicht so viele Leute nach Pirdop. Folglich machen auch Tenniscourt und wasserleerer Pool einen ungenutzten Eindruck.

Egal, wir haben Hunger! Der Ober des Restaurants, wo auch die Rotarys tagen, bemüht sich sehr bei der Kommunikation auf Englisch. Es gibt für mich Pfeffersteak, Ingo gönnt sich eine massive Grillplatte. Als Bedecker gibt es einen warmen Schokonachtisch mit Eis. Ich gönne mir noch zwei Stunden am Rechner, dann geht niks mehr…

  1. 22. September 2014, 19:31 | #1

    Ah Air Berlin, gab es auch die Schokoladenladenherzen beim Ausstieg? Ansonsten kann ich lange Warteschlangen vor Counter nur bestätigen.
    In Tegel gab`s im Sommer zum ersten Mal eine verschärfte Kontrolle meiner Fotoausrüstung. In einem Separee wurde diese akribisch nach Sprengstoff untersucht; zum Glück erfolglos;-))

  2. 24. September 2014, 21:15 | #2

    Ja, die leckeren Schokoladenherzen gab es bei Hin- und Rückflug :-)
    Es war eine sehr interessante Reise in ein mir bisher auch völlig fremdes Land. Aber es war sehr interessant und hat Spaß gemacht.

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