An der Copper-Kabana
Uaaaaaaaaaaaaaar, der Wecker geht deutlich zu früh… Aber wir haben ja heut fettes Programm mit dem DB-Leuten. Erster Blick aus dem Fenster: Regen :-( Au maaaaaaaaaaaaaaaaaaaaan!
Auch das nachfolgende Frühstück mag keine bessere Laune zu verbreiten. Der Ober von gestern Abend tischt auf: Brot, Marmelade, Gurke, kalter Kartoffelbrei, lauwarme und säuerlich schmeckende Würstchen, Schinken, … Alles superekelig! Bin da ja nicht schwierig in sowas sonst, aber das geht absolut nicht runter. Ingo schafft knapp die doppelte Menge, mir graut es vor Erbrechen oder Sprötzel im Termin gleich.

Schnell gezahlt, Abschiedsbild und los.

Unser erster Anlaufpunkt ist der Bahnhof, wo im südlichen Teil ein Zug der ????????? ??????????? ???????? ?? (transliterated: Bulgarska zhelezoputna kompaniya AD), in Englisch: Bulgarian Railway Company (BRC) steht. Grauselige Belichtungszeiten, aber egal.

Nette Firmenwerbung am Bahnhofsgebäude.

Ein Schwefelsäurezug steht abgebügelt im Bahnhof.
Wir wollen zeitig sein und brechen Richtung DB auf. Man hatte uns geschrieben dass die Verwaltung bei Aurubis sei, also habe ich daraus geschlossen, das sei neben dem Haupteingang. Da noch Zeit ist fahren wir erst mal Richtung Rangierbahnhof, drehen dann aber ab.

Mhhhhhhhhhhhh, am Haupteingang werden wir nicht fündig, also folgen wir dann doch den DB Schildern. Über eine matschige Zufahrtsstraße (Camel Trophy style) gelangen wir dann erneut zum Rangierbahnhof, wo wir parken. es regnet noch immer in Strömen :-( Das ehemalige Sozialgebäude ist umfangreich erweitert worden, sogar einige Wohnontainer stehen da nun. Hier sind wir wohl richtig.
Das Interview mit dem lokalen CEO läuft superklasse. Es ist immer wieder interessant, welchen extrem hohen Stellwert der Markenbegriff „DB“ im Ausland hat. Alle sind totaaaaaaaaaal stolz, für die tolle DB Schenker zu arbeiten, das sei alles extrem positiv belegt: Deutsche Qualität eben. Hoho!
Nun beginnt der schwierige Teil. Wir wollen im Werk fotografieren. Vorab hieß es, das wäre kein Problem. Der CEO wird vom Produktionschef abgelöst, der den Stab wiederum an eine adrette Kundenbetreuerin weitergibt. Das übliche Auslandsproblem: Es wird geredet, diskutiert, gelacht… Aber: Man versteht null. Also warten. Das Sitzungszimmer ist voll mit Bahnkarten und Krams, check! Die ganze sache ist wohl schwieriger als gedacht. mal geht es, dann doch nicht. Der Produktionschef schickt uns in Begleitung der jungen Dame, wir nennen sie mal „Dana“ (richtiger Name vergessen), zum Tor, er würde das klären.
Draußen wartet ein Ford Transit, mit dem es dann durch den Regen geht. Am Haupteingang gibt es gegen Vorlage der Ausweise Besucherkärtchen. Der ursprüngliche Plan, mit dem Transit reinzufahren wird wohl nicht genehmigt, also macht der sich mit dem Fahrer alleine rein und wir müssen einen Seiteneingang nehmen. Ob nun fotografieren erlaubt ist oder nicht wird nicht so ganz klar. Aussteigen dürften wir wohl nicht, aber es geht ja auch vom Auto – und viel wichtiger: vom Trockenen – aus.
Dana übersetzt fleißig, was unser Fahrer zu erzählen hat. V.a. natürlich Details zum Werk, aber auch zur Kupferherstellung. Vereinfachte Kurzfassung: Vom Hafen Burgas aus wird u.a. aus Südamerika stammendes Kupferkonzentrat (Kupferanteil ca. 30 %) per Bahn nach Pirdop gebracht. Per Bagger wird das dann entladen und glutflüssig erhitzt. Das enthaltene Eisen wird vom Kuper getrennt und als Schlacke abtransportiert. Nun haben wir Rohkupfer mit ca. 98 % Kupferanteil, das u.a. noch Edelmetalle wie Silber und Gold enthält. Dieses Roh- oder Schwarzlupfer wird elektrolytisch raffiniert. In einer schwefelsäurehaltigen Kupfer-(II)-sulfat-Lösung mit einer Rohkupfer-Anode und einer Reinkupfer-Kathode werden nun alle im Vergleich zu Kupfer unedleren Metallen oxidiert und gehen als Kationen in Lösung, während die edleren Metalle als Anodenschlamm absinken. Die Anode löst sich langsam unter Bildung der Kationen auflöst bleibt das so genannte Elektrolytkupfer an der Kathode hängen. Reinheitsgehalt nun 99,99 %.
Bezüglich des Bahnverkehres nach bzw. aus Pirdop bedeutet das Folgendes:
- DB bringt Kupferkonzentrat aus Burgas und selterner Varna nach Pirdop
- BZK übernimmt Zu- und Abführung der Schewefelsäure
- BZK transportiert Kupferanoden ab, die u.a. nach Belgien, Deutschland und zum Hafen Burgas gelangen.
- Der Werksrangierdienst wird durch DB abgewickelt

Recht neu sind diese Transportwagen für Anoden. Früher DB-seitig abgewickelt gelangt die Fracht nun mit neu konstruierten Wagen der On Rail unter VTG-seitiger bahnspeditioneller Abwicklung nach Olten (Belgien), Hamburg und seltener auch Lünen. BZK verwendet übrigens geschlossene Wagen für die Transporte. Der Wechsel DB->VTG fand übrigens statt, nachdem fast die komplette DB-Mannschaft aus dem Sektor zur VTG wechselte. Beteiligte EVU sind dabei übrigens BZK, ZS, MMV, LTE, Rurtalbahn Cargo und Trainsport. 80 Wagen sind in vier Zugsets seit Oktober 2012 im Einsatz, jährlich werden so ca. 100.000 t Anoden transportiert.

Noch mal die ganze Wagenschlange. Ein spezieller Diebstahlschutz verhindert, dass das Kupfer „verloren geht“.

Blick auf das Werk, das innendrin recht sauber und aufgeräumt aussieht, der neue Eigentümer hat aber wohl massiv investiert.

Für die Schlackezüge – leider fuhr keiner während wir vor Ort waren – werden drei V 60 D vorgehalten.

Eine Schlange mit Schlackewagen. Damit die Loks keinen (Hitze-) Schaden nehmen, werden die Züge immer mit Abstandswagen gefahren.

Massive Kisten, mannomann.

An der Entladung des Kupferkonzentrates hatte 204 626 Dienst.

In einer eingleisigen Werkstatt werden v.a. die Dieselloks gewartet.

Ersatzachsen für die Schlackewagen.

Schwefelsäurewagen mit Halterkennung CMED, das für den früheren Namen Cumerio Med steht.

204 660 und V 60.01 standen als Reserve abgestellt.

Ingo drängt auf „da müssen wir hin“ – der Fahrer gehorcht: „Schrottplatz“ mit 204 769 und 232 265. Loks standen im Juni 2013 übrigens schon da [Link].

Der Schornstein ist krasse 300 Meter hoch und ist somit das höchste Bauwerk Bulgariens :-)
So, irgendwann haben wir dann auch die ganze Runde hinter uns, den Regen leider nicht. Wieder das Prozedere, dass wir getrennt vom Transit die Schleuse passieren müssen. Besucherausweisabgabe, Transfer zum DB-Gebäude, winkwink!

Beim Weg zum Parkplatz passieren wir noch dieses interessante Denkmal mit einer alten Schlackewagenachse.

Als wir losfahren setzt sich auch 204 366 im Bewegung – kurzer Fotostopp.

Ich wage den Blick in den Güterbahnhof.

86 013 wartet dort auf neue Einsätze.

Die 204er rangiert einige Wagen Richtung Werkstatt.

Neuzugänge auf der anderen Bahnhofsseite – zwei Engländer der BZK.

Zzeit für ein bißchen „Malen mit der Kamera“ ;-)

Auf der östlichen Bahnhofsausfahrt rangiert eine LDH125 umher.

Und ein beladener DB-Zug mit Dänenlok wartet auf Behandlung.

Die Faur-Diesellok rangiert umher – die vorne sichtbaren Bauarbeiten bedingen ein aktuelles Streckenende in Pirdop, so dass alle Güterzüge einen umweg via Kazichene bei Sofia drehen müssen.

Während die Diesellok hin- und herhobelt kommt ein Oberleitungswagen angeschnauft.

Wir beobachten die LDH noch etwas beim Rangieren – es hatte zum Glück mal aufgehört zu regnen grad.
Es keimt Hunger auf, der in einem vollgestopften kleinen Supermarkt befriedigt wird. Wir beschließen zudem, mal kurz nach Zlatitsa zu schauen, da dort ein Regionalzug stehen müsste. Eigentlich fährt der bis Pirdop, aber wegen der Bauarbeiten wird früher gewendet.

Sowas hatten wir erwartet: Ähnlich wie in Rumänien sind auch die bulgarischen Desiro ziemlich zerdengelt.

Langweiliger Bahnhof, Belegaufnahme.

Nebenan lungern ein paar Wuffis rum. Straßenhunde sah man schon einige, aber kein Vergleich zu Rumänien!

Zurück in Pirdop soll noch mal ein Stündchen an der Werksausfahrt herumgelungert werden. Zuvor steht aber dieser ex DR-Personenwagen auf meiner Liste.

So! Essen auspacken und warten.

Irgendwann trötet es auch endlich – leider kommt nur eine Lz und dann auch wieder der Regen :-/

Meeeeeeeeeeeeeeeeeeep, meeeeeeeeeeep… Leider nur ein Gleisbaufahrzeug.

So, eine weitere halbe Stunde später endlich ein DB-Zug!

Bald darauf wird eine schlange Schwefelsäure-Wagen aus dem Werk gezogen. Noch immer leider kein Zug von rechts :-/

Ingomän drückt die Blase.
Dann passierte erst mal nichts mehr außer dass wir Besuch vom Werksschutz bekamen. Der Typi sprach aber nur Bulgarisch, folglich kam keine Kommunikation zustande. Ich zeige ihm die DB-Visitenkarten und versuche zu erklären, was wir machen. Scheint irgendwie gefunzt zu haben, jedenfalls werden wir wieder alleine gelassen.
Irgendwann ist dann mal gut. Ingo schlägt vor, via Panagyurishte gen Plovdiv zu rattern. Eine krude Bergtour ist das mit massiven Serpentinen. Zwischendurch passieren wohl ehemalige Minen und schlagen nach Überquerung der Bergkette dann am Zwischenziel auf. Vergangenes Jahr konnten dort DB 232er und baugleiche BDZ 07er beobachtet werden – wir machen uns Hoffnungen.

Die heftigen Regenschauer haben Spuren hinterlassen – die Ladestraße steht unter Wasser.

Am Hausbahnsteig macht ein Bautrupp Pause.

Eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeewig verspätet und mal wieder bei Regen kommt dann doch ein Desiro. Mist!

Wir nehmen noch die Wende mit und flüchten dann weiter.
Plovdiv und das Hotel Ego sind dank Ingos Navi schnell erreicht, aber wir sind platt vom Tag und dem Scheißwetter. Die Zimmer sind gut, nun haben wir Hunger. Natürlich regnet es auch wieder. Die erste Restaurantwahl ist ein Reinfall: Nur bulgarische Karten und einsprachige Bedienung. Wird müssen leider wechseln und landen in einem Steakhaus gegenüber, wo wir die übliche Nahrung zu uns nehmen. Tagesausklang bei mir mit 4 Stunden Zeitung tippen. Müüüüüüüüüüüüüüüüde.
Ich dachte morgens übrigens an den GPS-Logger, er funktioniert -> aaaaaaaaalso gibt es heute auch mal wieder eine Karte :-)
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